Chronik 1920-1970

Im Jahre 1920 setzten sich einige Männer aus Blatzheim zusammen und planten die Gründung eines Turnvereins. Sie wollten gegenüber anderen Orten nicht zurückstehen und auch ihre Kraft und ihr sportliches Können der Öffentlichkeit zeigen. Nach der bösen Zeit des 1. Weltkrieges zeigten sich viele Männer und Jugendliche an der Sache interessiert. Nach einigen Vorbesprechungen wurde im März 1920 eine Gründungsversammlung einberufen. Es wurde ein Vorstand gewählt (Georg Senior, Johann Reuter, Theo Reuter, Leonhard Dickhaus und Hubert Kick) und dem Verein der Name “Freie Turnerschaft Blatzheim” gegeben.

Wenige Tage nach der Gründungsversammlung wurde dann im Saale der Gaststätte Merken “In der Tenk” mit den ersten Übungsstunden begonnen (Kraftsport, Leichtathletik, Bodenturnen). Schon im Herbst besuchten die Blatzheimer Turner ihr erstes Turnfest in Buschbell, wo man mit guten Leistungen aufwarten konnte. Um auch der heimatlichen Bevölkerung ihr Turnen und das anderer Vereine zu zeigen, beschloß man, ein Turnfest zu veranstalten. Nach längeren Vorbereitungen fand dann am 09. August 1921 ein großes Fest, das von 32 auswärtigen Vereinen besucht wurde, auf der Weide Fischenich (Kieselstein) vor einer großen Zuschauerschar statt. Turner und Zuschauer waren von diesem gelungenen Fest begeistert.

Auch im Vereinsleben ging es weiter aufwärts, immer neue Mitglieder schlossen sich dem Verein an. Leider fehlten die finanziellen Mittel, um Turngeräte anschaffen zu können. In der Folgezeit besuchte man dann jährlich mehrere auswärtige Feste zu Fuß, mit der Eisenbahn oder mit einem Pferdefuhrwerk, wofür jeder einen kleinen Geldbetrag zahlen mußte. Oft ging es mit Musik und Gesang auf die weiten Wegstrecken, da einige Turner mit Trommeln und Pfeifen für Unterhaltung sorgten.

In einer Versammlung wurde über die Anschaffung einer Vereinsfahne gesprochen, wofür allerdings die Mittel fehlten. Da zeigte sich, daß der Verein schon Freunde und Gönner hatte. Der damalige Gutsbesitzer Josef Bollig (Niederbolheim) erklärte sich bereit, die meisten Kosten für die Anschaffung der Fahne zu übernehmen. Diese wurde dann bei einem Turnfest feierlich geweiht und ist heute nach einigen Irrwegen im 2. Weltkrieg noch immer im Besitz des Vereins. Im Jahre 1927 schloß man sich der Deutschen Turnerschaft an und änderte den Vereinsnamen in “Turnverein Viktoria Blatzheim”.

Als im gleichen Jahr Herr Johann Bremer nach Blatzheim zog und Mitglied des Turnvereins wurde, erhielt dieser neuen Auftrieb. Er brachte sehr gutes turne.risches Können mit und fand in den Turnbrüdern Josef Beuth und Josef Wallraf tatkräftige Mitarbeiter. Durch Spenden von Geschäftsleuten, Landwirten und Gönnern war man bald in der Lage, die ersten Turngeräte anzuschaffen, um sich auch im Geräteturnen zu entfalten. Nach Gründung des Fußballvereins SV 1928 Blatzheim wurden einige Mitglieder des Turnvereins vor die Wahl gestellt: Turnen oder Fußballspielen. Dabei gab es einige Unstimmigkeiten, die jedoch später beigelegt wurden. Im gleichen Jahr besuchte man mit vielen Mitgliedern das Deutsche Turnfest in Köln, welches von 7000 Turnern und Turnerinnen auf der Jahnwiese ausgetragen wurde. Für alle, die dieses Turnfest miterleben durften, war es ein einmaliges Erlebnis.

Schon Anfang der 30iger Jahre war man in der Lage, 2 bis 3 Riegen … 12 Turnern einzusetzen und zwar mit großem Erfolg. Großen Wert legte man zur damaligen Zeit schon auf saubere und einheitliche Turnerkleidung, die größten.teils aus der Bevölkerung gestiftet wurde. Hierbei sind besonders die Herren Anton Hoch, Jean Bongard sowie Theo Peters zu erwähnen, die den Verein immer wieder finanziell unterstützten.

Nach der Machtübernahme 1933 gab es in den örtlichen Vereinen, so auch im TV, einige Schwierigkeiten, die schwer zu meistern waren und einige Unruhe brach.ten. Jedoch die Turner ließen sich nicht entmutigen und machten weiter nach dem Wahlspruch: “Frisch, fromm, fröhlich, frei!”. Im August 1934 fand eine Saar-Treue Staffel Berlin-Koblenz statt, an der mehrere Mitglieder des TVB teilnahmen und eine Urkunde erhielten.

Auch weiterhin besuchte man Turnfeste in Derichsweiler, Buir, Golzheim, Arnoldsweiler, Birkesdorf, Merken, Gürzenich sowie das Gauturnfest im Heimbach und Birkesdorf, teils zu Fuß, teils mit dem Fahrrad.

Bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges 1939 war auch für den Turnverein Viktoria ein jähes Ende vorauszusehen. Viele Turner wurden einberufen, um für Volk und Vaterland zu kämpfen und ließen dabei ihr Leben.

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren ruhte der Verein bis am 13.04.1948 durch Einladung der Turnbrüder Johann Bremer und Josef Beuth der Turnverein Viktoria Blatzheim wieder zusammenfand. Es wurde ein provisorischer Vorstand gewählt. Dieser Vorstand beschloß, eine Werbeveranstaltung durchzuführen, und hierfür hatte man den 15.05.1948 vorgesehen. Die Versammlung fand in der Gaststätte Froitzheim statt und wurde von 34 Personen besucht. Turnbruder Fritz aus Düren hielt die Werbeansprache, die mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Der provisorisch gebildete Vorstand wurde in dieser Sitzung als ordentlicher bestätigt. Vorsitzender war damals Johann Bremer. Im zur Seite standen: Johann Bongard (2. Vorsitzender), Franz Greuel (Schriftwart), Heinrich Bergerhausen (Kassenwart) und Josef Beuth (1. Vorturner). In dieser Versammlung wurde über die Wiederbeschaffung der Turngeräte gesprochen, die zum Teil ausgeliehen waren, und man sprach ebenfalls über Neuanschaffungen. Die ausgeliehenen Geräte konnten teilweise wieder herbeigeholt werden, doch waren diese stark beschädigt und mußten ausgebessert werden. Es fehlten aber wie schon so oft die finanziellen Mittel. Doch auch jetzt waren wieder Gönner zur Stelle, die sich voll und ganz für den TV einsetzten. So konnte dann bald im Saale Froitzheim wieder geturnt werden. Die Übungsstunden waren immer gut besucht. Das Turnfest in Derichsweiler sowie das Gauturnfest in Aachen – Burtscheid konnte schon wieder mit Turnern aus den eigenen Reihen besucht werden und es reifte der Gedanke, in Blatzheim wieder ein großes Turnfest zu veranstalten. So fand am 3. Oktober 1948 in Saale Froitzheim erstmalig nach dem 2.Weltkrieg wieder ein großes Schauturnen statt. Viele Vereine aus nah und fern, so die Kreiswerberiege Düren, die Damenriege Düren und viele Turner und Jugendliche aus den eigenen Reihen nahmen daran teil. Diese Schauturnen erfreute alle Beteiligten, und viele Freunde wurden wieder fürs Turnen gewonnen. Am gleichen Abend fand im Saale Froitzheim der Turnerball statt, der viele Besucher brachte. In den folgenden Versammlungen wurde der Vorstand erweitert, und zwar mit Fritz Thönnes als 2. Turnwart, Berti Hambach als Gerätewart, Josef Schmitz als Sportwart und Heinrich Steinke als Jugendwart. Auch beschloß man auf dieser Sitzung, die Gründung einer Damenriege, die jedoch vorerst nur aus Jugend.lichen bestehen sollte. Am 12.06.1949 richtete der TV Blatzheim den ersten Volksturntag aus, der besucht war von Teilnehmer aus Buir, Golzheim, Girbelsrath und Blatzheim. Es wurde geturnt an Reck, Barren, Sprungbrett und Pferd. Dieser Volksturntag wurde in Abständen auch in den vorher genannten Orten durchgeführt.

In der Sitzung vom 19.07.1949 wurde der Schreinermeister Wilhelm Wattler wegen langjähriger Verinszugehörigkeit und uneigennütziger Hilfe im Interesse des Vereins zum Ehrenmitglied ernannt. In den folgenden Jahren wurden noch viele Feste auf turnerische sowie auf geselliger Art besucht bzw. veranstalltet. Trotz aller Bemühungen des Vorstandes und verschiedener Mitglieder war es nicht möglich, den TV weiter aufrecht zu erhalten. Es fehlten nicht nur die geldlichen Mittel, sondern auch die Übungs- und Sportstätten. So trat für den TV ab 1955 wieder eine Zwangspause ein.